Das tägliche Verbiegen

von ledler87

Freitag, 2.Oktober 2015

Berlin, Busbahnhof Thielplatz, in der Nähe der Universität: Ein älterer Herr aus Bayern fragte mich, welche Buslinie er nehmen müsse. Es entwickelte sich ein Gespräch, und er fragte mich sogleich, was ich denn studieren würde. Politikwissenschaft, ah ja. Sofort fing er an, über die Asylpolitik zu klagen, was für furchtbare Folgen das noch hätte. Allerdings erklärte er auch, in Bayern gebe es so viele durchgeknallte konservative Idioten“. Und die schlimmste Gefahr in der Asylfrage wäre, dass es zu einem gesellschaftlichen Rechtsruck“ kommen könne.

Wir unterhalten uns über dieses und jenes politische Thema. Ich erzähle ihm, wie ich die Asylfrage sehe und dass ich in der AfD bin. Wenig später bekennt sich der Mann als AfD-Wähler. Was ist denn die Alternative zur AfD?“, fragt er rhetorisch. Aus der CSU sei er schon zu Zeiten von Franz-Josef Strauß ausgetreten. In der Asylfrage müsse die Einwanderung drastisch reduziert werden, und die Unterscheidung zwischen Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen helfe auch nur noch bedingt weiter, denn angesichts der Zahlen könne man noch nicht einmal alle Kriegsflüchtlinge aufnehmen. Wir waren uns also weitgehend einig. Als er aus dem Bus ausstieg, winkt er mir zu und spricht mir mit einem nach oben gerichteten Daumen Mut zu.

Dem Leser mag bereits ein gewisser Widerspruch aufgefallen sein: In Bayern wohnen laut Aussage des Mannes durchgeknallte konservative Idioten“, und das Schlimmste von allem wäre ein Rechtsruck“. Und gleichzeitig wählt er aber die AfD und fürchtet wegen der Asylkrise das Schlimmste – hä? Wie passt das zusammen?

Nun, die Antwort liegt auf der Hand: Zu Beginn des Gesprächs hatte ich dem netten Herrn erzählt, dass ich Politikwissenschaft studieren würde. Jeder politisch informierte Mensch weiß, was das in mindestens 80 Prozent der Fälle bedeutet. Also hielt es der Mann offenbar für erforderlich, sich bei mir anzubiedern, indem er die Konservativen als durchgeknallte Idioten“ betitelt. Das sind eben so die Sprüche, mit denen man sich bei Studenten beliebt macht. So wollte er wohl verhindern, dass er wegen seiner Asylkritik bei mir sofort unten durch ist. Als er dann merkte, dass ich auf AfD-Linie bin, waren solche Gesslerhutgrüße nicht mehr erforderlich. Nun konnte er frei vom Leder ziehen.

Dieser Gesprächsverlauf zeigt, wie sehr sich die Bürger inzwischen sogar im Alltag verrenken, verbiegen und in der Lüge leben, um nicht an den moralischen Pranger des Linkskonformismus gestellt zu werden. Und es zeigt, dass die herrschenden linken Dogmen nur auf Gruppenzwang und Lüge basieren. Solche Dialoge an Bushaltestellen habe ich schon x-fach erlebt: Gesprächspartner, die das Gespräch mit linksliberalen“ Gutmenschen-Aussagen beginnen, um dann im Verlaufe des Gesprächs urplötzlich immer konservativer und rechter zu werden. Sobald ich meinerseits mit meiner Meinung durchblicken lasse, erzählt der Gesprächspartner plötzlich das Gegenteil dessen, was er noch vor 30 Sekunden zum Besten gegeben hat. Wenn man unter vier Augen ist, kann man dieses Phänomen teilweise sogar bei (vermeintlich) eingefleischten Linken beobachten…

P.S.: Der Mann sagte auch, er sei wegen der atomaren Politik“ aus der CSU ausgetreten. Ich wollte ihm noch erzählen, dass ich die Kernenergie befürworte, aber da musste er schon aus dem Bus aussteigen. Wie schade: Wenn ich ihm erzählt hätte, dass ich die Kernenergie im Gegensatz zu ihm befürworte, so wäre der angebliche Atomkritiker womöglich endgültig in Begeisterungsstürme ausgebrochen…

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