Das tägliche Verbiegen

Freitag, 2.Oktober 2015

Berlin, Busbahnhof Thielplatz, in der Nähe der Universität: Ein älterer Herr aus Bayern fragte mich, welche Buslinie er nehmen müsse. Es entwickelte sich ein Gespräch, und er fragte mich sogleich, was ich denn studieren würde. Politikwissenschaft, ah ja. Sofort fing er an, über die Asylpolitik zu klagen, was für furchtbare Folgen das noch hätte. Allerdings erklärte er auch, in Bayern gebe es so viele durchgeknallte konservative Idioten“. Und die schlimmste Gefahr in der Asylfrage wäre, dass es zu einem gesellschaftlichen Rechtsruck“ kommen könne.

Wir unterhalten uns über dieses und jenes politische Thema. Ich erzähle ihm, wie ich die Asylfrage sehe und dass ich in der AfD bin. Wenig später bekennt sich der Mann als AfD-Wähler. Was ist denn die Alternative zur AfD?“, fragt er rhetorisch. Aus der CSU sei er schon zu Zeiten von Franz-Josef Strauß ausgetreten. In der Asylfrage müsse die Einwanderung drastisch reduziert werden, und die Unterscheidung zwischen Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen helfe auch nur noch bedingt weiter, denn angesichts der Zahlen könne man noch nicht einmal alle Kriegsflüchtlinge aufnehmen. Wir waren uns also weitgehend einig. Als er aus dem Bus ausstieg, winkt er mir zu und spricht mir mit einem nach oben gerichteten Daumen Mut zu.

Dem Leser mag bereits ein gewisser Widerspruch aufgefallen sein: In Bayern wohnen laut Aussage des Mannes durchgeknallte konservative Idioten“, und das Schlimmste von allem wäre ein Rechtsruck“. Und gleichzeitig wählt er aber die AfD und fürchtet wegen der Asylkrise das Schlimmste – hä? Wie passt das zusammen?

Nun, die Antwort liegt auf der Hand: Zu Beginn des Gesprächs hatte ich dem netten Herrn erzählt, dass ich Politikwissenschaft studieren würde. Jeder politisch informierte Mensch weiß, was das in mindestens 80 Prozent der Fälle bedeutet. Also hielt es der Mann offenbar für erforderlich, sich bei mir anzubiedern, indem er die Konservativen als durchgeknallte Idioten“ betitelt. Das sind eben so die Sprüche, mit denen man sich bei Studenten beliebt macht. So wollte er wohl verhindern, dass er wegen seiner Asylkritik bei mir sofort unten durch ist. Als er dann merkte, dass ich auf AfD-Linie bin, waren solche Gesslerhutgrüße nicht mehr erforderlich. Nun konnte er frei vom Leder ziehen.

Dieser Gesprächsverlauf zeigt, wie sehr sich die Bürger inzwischen sogar im Alltag verrenken, verbiegen und in der Lüge leben, um nicht an den moralischen Pranger des Linkskonformismus gestellt zu werden. Und es zeigt, dass die herrschenden linken Dogmen nur auf Gruppenzwang und Lüge basieren. Solche Dialoge an Bushaltestellen habe ich schon x-fach erlebt: Gesprächspartner, die das Gespräch mit linksliberalen“ Gutmenschen-Aussagen beginnen, um dann im Verlaufe des Gesprächs urplötzlich immer konservativer und rechter zu werden. Sobald ich meinerseits mit meiner Meinung durchblicken lasse, erzählt der Gesprächspartner plötzlich das Gegenteil dessen, was er noch vor 30 Sekunden zum Besten gegeben hat. Wenn man unter vier Augen ist, kann man dieses Phänomen teilweise sogar bei (vermeintlich) eingefleischten Linken beobachten…

P.S.: Der Mann sagte auch, er sei wegen der atomaren Politik“ aus der CSU ausgetreten. Ich wollte ihm noch erzählen, dass ich die Kernenergie befürworte, aber da musste er schon aus dem Bus aussteigen. Wie schade: Wenn ich ihm erzählt hätte, dass ich die Kernenergie im Gegensatz zu ihm befürworte, so wäre der angebliche Atomkritiker womöglich endgültig in Begeisterungsstürme ausgebrochen…

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3 Kommentare

  1. „In der Asylfrage müsse die Einwanderung drastisch reduziert werden, und die Unterscheidung zwischen Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen helfe auch nur noch bedingt weiter, denn angesichts der Zahlen könne man noch nicht einmal alle Kriegsflüchtlinge aufnehmen.“

    Na dann hätten Sie ihm auch dazu noch einiges erklären können, wenn Zeit gewesen wäre.

    Asyl ungleich Einwanderung! Was die BRD hier seit Jahrzehnten macht, ist ständiger staatlicher Rechtsbruch. Scheint in einem „Rechtsstaat“ aber normal zu sein, schließlich schädigt dies ja die Deutschen und das ist doch erklärtes Ziel aller Systempolitik.

    Und nur weil jemand irgendwo vor einem Krieg geflohen ist, besteht deshalb keinerlei Anspruch auf Schutzbedürftigkeit in der BRD (Asyl ungleich Flucht vor Krieg), sofern der „Flüchtling“ auch nur ein sicheres Drittland vor der BRD erreichte (z.B. Türkei). Damit sind all die „Kriegsflüchtlinge“ gar keine, sondern vom A-Sozialsytem angelockte Kriminelle. Weder darf ein Asylverfahren eröffnet werden, noch eine Einreise gestattet. So ist die gültige Rechtslage, so lauten die internationalen Verträge.

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  2. Das war einfach die typisch katholisch-hinterfotzige Art. Kommt bei uns im Norden nicht vor. Wir sagen, was wir denken. Wenn dabei alte Freundschaften verlorengehen, dann ist das halt so. Kann man uebrigens wieder aufleben lassen, sobald die etwas langsamen Freunde dann schliesslich doch kapieren, was gespielt wird. Was mittlerweile bei meinen linkeren Freunden langsam passiert. Die brauchen echt lange!

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  3. Dazu könnte man ja Romane schreiben 😉 Was mir immer in solchen Situationen auffällt, ist wie vorsichtig man vorfühlt, ob der andere ein braver Bürger ist (was nichts anderes ist, als daß er nachplappert,was die Medien vorbeten) oder ein Bürger mit eigenen Gedanken. Da wird ganz dezent eine semi-kritische Bemerkung gemacht und man spürt, wie aufmerksam der andere die Reaktion beobachtet.
    Vor ein paar Jahren hatte ich mal ein Gespräch in einem Kosmetikinstitut. Irgendwie kamen wir zum Gespräch auf Ausländer. Die Dame sagte dann zuerst die üblichen Entschuldigungen, sie habe ja nichts gegen Ausländer etc. um dann zu sagen, wie unsauber ihr die meisten Auländer vorkämen und wie rüpelhaft. Dann sprachen wir über Kleidung, und als ich ihr sagte, daß ich meinen Wintermantel bei einem türkischen Einzelhändler gekauft hatte, wich sie innerlich wieder gleich zurück, weil sie vermutete, ich wäre vielleicht doch eher links. Dann sprach sie sehr leise, mit gedämpfter Stimme und blickte mich mit geneigtem Kopf von unten an und erzählte kleine Vorkommnisse aus ihrem Dorf, von Beobachtungen, die ihre Meinung über Ausländer doch sehr negativ beeinflusst hätten. Fast so als wenn sie mir ein Geheimnis mitteilt oder etwas Verbotenes.
    Zweites Beispiel: Vor ein paar Monaten war ich in einem Internetcafe, das einem Russen gehört. Er erfuhr gerade aus den Medien von Pegida. Da fragte er mich, was ich davon halte. Ich dachte, wer weiß, vielleicht ist er auch schon der Mediengehirnwäsche zum Opfer gefallen, und hält mich sofort für einen Nazi, wenn ich jetzt sage, daß ich es eigentlich richtig finde, daß die demonstrieren. Da kommt die Überraschung: Als ich sage “Hm, naja, schwierig….weiß nicht”, da sagt er laut und emotional “Das ich finde super, daß die demonstrieren! Das wurde Zeit! Schauen Sie mal da raus: Das ist nicht mehr Deutschland! Dort nur Ausländer!” (Anmerkung: Das Cafe liegt im sozialen Brennpunkt der Stadt: fast nur Ausländer und ein paar arbeitslose Deutsche) Da war ich platt. Ich bin so gedrillt auf Vorfühlen, Abwägen, Schweigen und vorallem Ausländerfreundlichkeit, daß ich mir gar nicht vorstellen konnte, daß sich auch gut integrierte Ausländer nicht mehr wohl fühlen in Deutschland. Daß auch für sie diese Ghetto-Bildung und Parallelgesellschaften bedrohlich und stressig sein könnten.
    Oder ein drittes Beispiel: Als Oberstufenschülerin habe ich Nachhilfe gegeben. Mein Gymnasium lag gleich neben dem Arbeiterviertel in Duisburg. Dort war auch der Ausländeranteil recht hoch (ca 40%) . Und die Eltern meiner Schüler sagten zum diesem Thema entweder a) gar nichts b) Sätze wie “Die vermehren sich doch wie die Karnickel! In 20 Jahren sieht das hier aus wie Klein-Istanbul!” c) “Wir ziehen hier bald weg.” d) “Nichts gegen Ausländer, aber es ist schon schwierig, die meisten sind kulturell schon sehr anders als wir.” Schlussendlich galt die Devise: das Ausländerthema lieber vermeiden, und unter sich bleiben. So hielten wir es auch an unserer Schule, die einen Ausländeranteil von ca. 42% hatte. Jede Kultur blieb unter sich. Oder, wenn es zuwenig Schüler einer Nation/Kultur gab, dann sammelten sie sich unter dem“ Ähnlichkeitsschirm“.

    Ich merke es wirklich an mir selbst: Im Internet kann ich sehr frei reden, aber wenn die Situation von Angesicht zu Angesicht ist, dann bin ich wie ein dressierter Hund: Ich weiß, daß ich im Zweifel immer so tun muss, als wenn ich mit der Regierung einverstanden bin und linke Politik für die heilsbringende zu halten habe. Ich versuche immer möglichst neutral zu argumentieren bzw gar keine Postion zu beziehen. Das ist natürlich reine Feigheit. Weil ich die Anfeindungen fürchte, die man schon erfährt, wenn man nur mal ein bißchen Skepsis und Zweifel zeigt. Erst vor ein paar Tagen twitterte jemand „Deutsche zuerst bei Sozialleistungen!“ Fand ich völlig richtig, wir finanzieren ja auch das System, also sollten wir auch der erste Nutzer sein. Aber dieses „Deutsche zuerst“… da war es wieder… meine Dressur. Ich dachte sofort: „Das klingt viel zu rechtsextrem. Nee, das kann ich nicht retweeten.“
    Wir leben wirklich in einer Meinungsdiktatur. Wenn Schmähung, Ächtung und Schockiert-Sein schon passiert, wenn man nur etwas normal Rechtes sagt (also nichts Rechtsextremes), dann herrscht hier keine Meinungsfreiheit mehr. „Immerhin, dies zum Trost, sind die Gedanken frei,[…]“ meint Katja Thorwarth in ihrem aufschlussreichen Artikel http://www.fr-online.de/freiheit/meinungsfreiheit-das-missverstaendnis-mit-der-meinungsfreiheit,31839204,31856244.html. Damit wäre alles gesagt zur Freiheitsliebe der Links-Grünen. Nämlich: Wir erlauben alles. Wir akzeptieren alles. Wir dulden alles. Alles, was sich im links-grünen Bereich befindet. Der Rest wird verboten.
    Wird? Well, the game isn’t over yet 😉

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